Pokhara: Yogawoche

Die letzten 7 Tage haben wir im Yoga-und Meditationszentrum „Purna Yoga“ verbracht. Was auf uns zukommen wird, konnten wir uns anfangs nicht so richtig vorstellen. Doch wir hatten Lust etwas Neues auszuprobieren. Wir wollten in eine Welt eintauchen, die wir zwar vom Namen her kannten, aber sonst wenig Bezug zu hatten. Auch wollten wir zur Ruhe kommen und etwas für unseren Körper tun. Noch immer sind wir im Arbeitsmodus und fühlen uns gehetzt. Bevor wir uns anmeldeten, suchten wir einen Tag zuvor das Purna Yoga Retreat Zentrum auf. Es liegt in der Nähe von unserer Unterkunft bei Eddy. Auf einem Trampelpfad ging es den angrenzenden Berg hinauf. Nach einem 20 minütigen Fußmarsch erreichten wir das Yoga- und Meditationszentrum. Von dort hatte man einen wunderschönen Ausblick über Pokhara und den Phewa-See. Wir trafen auf Manohar. Er ist einer der dort arbeitenden Yoga Lehrer. Auch scheint er einer der beiden Chefs im Büro zu sein. Es wird ein tägliches Program geben, welches Yoga- und Meditationsübungen beinhaltet. Essen, Getränke und die Übernachtung sind im Preis mit inbegriffen. Manohar führte uns durch das Yoga Zentrum. Es gibt 2 kleine Behandlungsräume für Reiki oder die Ayurveda - und /oder Klangschalenmassagen, eine große Yoga-Halle auf dem Dach des Gebäudes mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Berglandschaft, Pokhara und den Phewa-See, einem gemeinschaftlichen Speiseraum und 10 Doppelzimmer auf 2 Stockwerke verteilt mit jeweils einer schönen Terrasse mit Hängeschaukeln und gemütlichen Sitzecken. Wir fühlten uns vom ersten Moment sehr wohl und herzlich willkommen. Doch uns schreckten noch die knapp 400€ für das 7-Tages Yoga Programm ab. Auch wollten wir uns noch 2 andere Yogazentren anschauen, um einen Vergleich der Preise bzw. Programme zu haben. Vielleicht ist es ja auch ausreichend, einfach täglich zu einer Yogastunde zu gehen?! Am Abend gegen 22:00 Uhr kamen wir zur Ruhe und die Entscheidung war schnell getroffen. Wir schrieben Manohar eine E-Mail, dass wir am morgigen Tag gerne unser Program im Purna Yoga Zentrum starten möchten. Wir hatten dort das Gefühl, dass wir gut aufgehoben sind, um unseren Körper und Geist etwas gutes zu tun. Einen geregelten Tagesablauf zu haben, hörte sich auch nicht schlecht an. 

Mit unserem gesamten Gepäck stiegen am nächsten Tag wir über eine Sandstraße den Berg hinauf. Wir bekamen von Gush einem anderen Yoga Lehrer eine Einweisung. Wir lernen Alexa und James aus England kennen. Sie werden 5 Tage im Yoga Zentrum bleiben. Alexa und James sind in unserem Alter und seit 2 Jahren in der Welt unterwegs. Sie waren in Mittel- und Südamerika, haben Freiwilligenarbeit in Peru geleistet, in Neuseeland beim Zitronen pflücken Geld verdient und befinden sich jetzt auf den Heimweg nach England. Wir sind etwas erstaunt: sie wollen eigentlich nur 1 Jahr in England arbeiten, um dann wieder auf Reisen zu gehen. Zum Abschluss ihrer Reise möchten sie etwas für sich tun, um gestärkt nach England zurückzukehren. Am Abend lesen wir uns nochmals unser tägliches Program durch. So sah es aus:

 

6:00 Uhr Weckruf

Gegen 6:00 Uhr in der Früh geht ein Yogalehrer täglich mit einer Klangschale zu den einzelnen Zimmern und lässt diese vor der Tür bzw. Fenster in sanften Tönen erklingen. 

 

6:15 Uhr Aufwärmen / Meditation 

Nach einer kleinen Katzenwäsche hetzten wir jeden morgen die Treppen nach oben in die Yoga Halle. Draußen ist es noch ziemlich kalt und wir sind auch eher noch im Schlaf- als im Sportmodus. Doch das scheint die Yoga Lehrer nicht zu stören. Durch verschiedene Lockerungs- und Dehnübungen wecken wir langsam unseren Körper auf. Die letzten 10-20 Minuten wird es dann nochmal entspannend. Wir kuscheln uns alle in die flauschigen Decken und es folgt eine Meditationsübung. Wir singen zum Beispiel mit instrumenteller Begleitung Mantras, lauschen den Klängen der Klangschalen oder horchen im Liegen ins Innere unseres Körpers. Folgen unserer Atmung, nehmen Geräusche wahr und versuchen uns auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. 

Für Berit anfangs gar nicht so einfach. Sie denkt eigentlich nur an das Frühstück. Doch  dieses sollte es laut Plan erst gegen 9:45 Uhr geben. Es stellt sie noch vor ein Rätsel, wie sie die Zeit bis dahin überleben soll. 

 

7:00 Uhr Tee Zeit

Nach der ersten Yoga Stunde wartet jeden Tag frischer Kräutertee auf uns. Er schmeckt sehr gut aber so richtig können wir keine Inhaltsstoffe herausschmecken. Wir erfahren später, dass es eine vom Yoga Zentrum selbst zusammengestellte Teemischung ist. Der Tee besteht zu 60% aus getrockneten Basilikumblättern, Zitronengras und Cardamon. Zum Glück gibt es auch Bananen zum Essen. Am ersten Tag war Berit so hungrig, dass sie gleich zweimal zugreifen musste. 

 

7:30 Uhr Nasenspülung / Jala Neti

Wir gehen in den Garten und bekommen ein mit Salzwasser gefülltes Gefäß. Es sieht ein bisschen aus, wie eine kleine Gießkanne. Berit sind die Nasenspülungen schon bekannt. Auch sie hat zu Hause ihre Nase mit Salzwasser gespült, wenn sie eine Erkältung/Grippe hatte und die Nase zu war. Ein besseres Hausmittel gibt es nicht, um die Nase frei zu bekommen und den Schnupfen schnell wieder loszuwerden. Tamas hatte es zu Hause auch einmal ausprobiert, als er krank war bzw. er seine Pollenallergie nicht so richtig unter Kontrolle bringen konnte. Doch die Nasenspülung löste weder den Schleim in der Nase noch irgendwelche Pollen. Das einzige was sie auslöste war ein schöner Würgereiz. Doch dazu sollte es heute nicht kommen. Mit richtiger Anleitung schafft es auch Tamas, das Salzwasser in das eine Nasenloch hinein und durch das andere Nasenloch herausfließen zu lassen. Anschließend werden verschiedene Übungen durchgeführt, um alles Wasser aus den Nasengängen und Nasennebenhöhlen zu entfernen. Sonst könnte es dazu kommen, dass man einen Schnupfen oder eine Ohrenentzündung bekommt. Die Übungen brachten Berit so richtig in Schwung und sie musste des öfteren herzlich lachen. Die gesamte Gruppe schnaufte, schniefte und rotzte sich so die Nase frei. Auch der „Chicken-Dance“ ließ Berits Herz` höher schlagen. Was hätten wohl andere Leute gedacht, wenn sie eine Gruppe verrückter Hühner durch den Garten rotzen gehört hätten? :)

 

8:00 Uhr Yoga (Pranamaya, Dynamisches Hatha Yoga & statisches Asanas Yoga)

Um 8:00 Uhr beginnt in der YogaHalle unsere erste richtige Yoga Stunde für diesen Tag. Wir führen verschiedene Yoga Übungen aus, die verschiedene Muskelgruppen dehnen und vor allem kräftigen. Wir merken natürlich mal wieder sehr schnell, wo unsere Schwachpunkte sind. Von Berits Akrobatik Vergangenheit ist leider auch kaum etwas geblieben bzw. zu sehen. Früher konnte sie Brücken machen, Spagat, Kopf- und Handstände usw. Jetzt erreicht sie nichtmal mehr den Boden mit den Händen ohne die Beine beugen zu müssen. Auch von den 40 Liegestützen, die sie früher mal konnte, ist nur noch einer geblieben. Die letzten 20 Minuten wird jeweils eine Atemübung aus dem Pranamaya Yoga durchgeführt. Diese soll die Atmung vertiefen, die Atemmuskulatur kräftigen und den Körper je nach Übung entspannen oder aktivieren. Nach 1,5 Stunden ist auch dies geschafft und das Hungergefühl schon fast vergessen. 

 

9:45 Uhr Yogi Frühstück

Wir bekommen jeden Tag eines der leckersten und gesündesten Frühstücke überhaupt serviert. Es gibt immer einen frisch gepressten Saft (z.B. Melone, Orange, Mango), ein gekochtes Ei und einen Obstsalat mit Maisporridge, Joghurt,Müsli oder einen Eierkuchen. Eine gesunde Ernährung (nahrhaft, ohne Giftstoffe, vegetarisch) ist Voraussetzung, um Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen.

 

11:00 Uhr Wellnessangebote 

Nach dem Frühstück gibt es kleine Wellnessangebote. Man kann täglich zwischen einem Dampf- oder Moorbad, einer Dampfinhalation oder einem Fußbad wählen. Wir haben alles ausprobiert, doch am besten hat uns das Fußbad im goldenen Trog mit  frischen Blumen aus dem Garten gefallen. 

 

12:30 Nada Yoga

Vor dem Mittagessen gab es dann noch eine Klangmeditation mit Klangschalen und Trommeln. Tamas nutzte diese halbe Stunde fast immer, um ein kurzes Mittagsschläfchen zu halten. Wenn Berit ihn dann tief Atmen oder noch schlimmer schnarchen hörte, war es dann auch mit ihrer Entspannung vorbei und sie musste sich das Lachen innerlich mehr als verkneifen. So blieb ihr nichts anderes übrig, als sich in der Yoga Halle in eine andere Ecke zu legen. Doch da schnarchte dann meist jemand anderes. 

 

13:00 Uhr Yogi Mittag

Zum Mittag wurde uns immer die gesunde Variante des beliebten nepalesischen Gerichtes Dal Bhat serviert. Es gab braunen Reis, eine Linsen- oder Bohnensuppe und verschiedene Gemüse. Es hat jedesmal vorzüglich geschmeckt. Berit hatte die ersten zwei Tage nach jedem Essen jedoch mehr Hunger als zuvor. Wir haben sogar heimlich Schokokekse gekauft. Am dritten Tag änderte sich dies. Wir waren nach jedem Essen immer papp satt und fragten uns, ob unsere Bäuche geschrumpft oder die Portionen nahrhafter bzw. größer geworden sind. 

 

14:00 Uhr - 16:00 Uhr Freizeit

Wir nutzten die Zeit, um in der Hängematte zu entspannen, ein Buch zu lesen oder um einen kleinen Spaziergang in der näheren Umgebung zu machen. 

 

16:00 Uhr Tee Zeit

Es gibt wieder Kräutertee und für jeden ein Schälchen mit klein geschnittenen Äpfeln oder Birnen. Den Tee sowie mineralisiertes Wasser gibt es zu jeder Zeit. Soviel getrunken haben wir wohl die letzten Monate nicht mehr. 

 

16:30 Uhr Bhakti Yoga

Im Bhakti Yoga werden Mantras aus den buddhistischen, hinduistischen und christlichen Religionen zusammen gesungen. Ein Yogalehrer trommelt und einer spielt auf einem Harmonium. Wir schwingen die Rasseln und Trommeln und gelegentlich tanzen wir zur Musik. Jedes Mantra besteht aus wenigen Silben oder Wörtern und wird immer wieder wiederholt, wobei Rhythmus und Lautstärke variabel sind. Sobald ein Mantra gesungen wird, bezeichnet man es als Kirtan. Jedes Mantra hat eine unterschiedliche Bedeutung. Vielleicht ist es gleichzusetzen mit einem Zauberspruch? Am liebsten haben wir das tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“ gesungen. 

 

17:30 Uhr Yoga (Pranamaya, Dynamisches Hatha Yoga & statisches Asanas Yoga)

Es folgt die zweite Yogaeinheit des Tages. Wieder anderthalb Stunden dehnen, kräftigen und atmen. Wir lernen, dass die Übungen nicht nur den Körper trainieren, sondern uns vor allem auf die Meditation vorbereiten sollen. Während der Übungen soll man sich auf das was im eigenen Körper geschieht, deren Wirkung und vor allem auf die tiefe und regelmäßige Atmung konzentrieren. Die Übungen haben alle verschiedene Namen. Dies sind meistens Tiernamen, z.B. Löwen Pose, Kobra oder Hund. Die früheren Yogis haben gesehen, dass die Tiere glücklich sind und nicht von der Vergangenheit bzw. der Zukunft gequält werden und jede Bewegung bewusst ausführen. Deswegen haben sie begonnen, verschiedene Tierposen nachzustellen, um ebenfalls einen zufriedenen Zustand im Hier und Jetzt zu erreichen. Am witzigsten war hier die Löwen Pose. Man geht in die Knie, streckt seine Zunge weit aus dem Mund heraus, brüllt wie ein Löwe und schaut mit geöffneten Augen zum dritten Augen zwischen den Augenbrauen. 

 

18:30 Uhr Yoga Nidra

Yoga Nidra schließt direkt an die Yoga Stunde an. Es folgt eine angeleitete Tiefenentspannungsmeditation oder auch als Yogaschlaf bezeichnet. Das wichtigste dabei ist, dass man versucht nicht einzuschlafen und nur den Worten des Yogalehrers zu folgen. Tamas schlief dabei aber auch hier regelmäßig ein. Davon hatte der Yogalehrer  während der Tiefenentspannung aber eigentlich nichts gesagt. :)

 

19:00 Uhr Yogi Abendessen

Wir bekamen auch zum Abendbrot wieder die tollsten Sachen serviert. Es gab immer eine Suppe und zum Beispiel Hummuswraps mit Gemüse, Reis mit Curry usw. Es soll bald ein Kochbuch mit den Rezepten geben. Doch in Pokhara ist es nicht so einfach ein Buch drucken zu lassen. Für das Buch mit den verschiedenen Mantras und der Bedeutungen, gab es 200 Druckversuche für genau 30!!!! Bücher. Immer wieder ist irgendetwas passiert. Anfangs gab es hunderte Versuche, bis das richtige Papier ausgewählt war. Hat der Druck auf dem Papier funktioniert, ging anschließend die Druckmaschine kaputt, die Farbpatrone war leer oder der Strom fiel aus und ein Buch steckte in der Druckmaschine fest. Wir haben eine pdf Datei mit allen Rezepten. Falls jemand daran Interesse hat, einfach bei uns melden.

 

20:00 Uhr Kerzenmeditation

Wir versuchen 30 Minuten eine Kerze anzuschauen und dabei so wenig wie möglich zu blinzeln. Werden die Augen müde oder beginnen zu tränen, soll man diese schließen und sich die Kerze vor unserem dritten Auge zwischen den beiden Augenbrauen vorstellen. Die Tränen sollen uns von allen Gedanken befreien. Dies gelingt mal besser mal schlechter. Auch hier geht es darum im Hier und Jetzt zu sein und allen Gedanken der Vergangenheit bzw. der Zukunft keine Beachtung zu schenken. Dies ist die hohe Kunst der Meditation. Insgesamt gibt es 8 Meditationsstufen, wobei die letzte Stufe die Erleuchtung/innere Freiheit darstellen soll und das höchste Ziel eines Yogis ist. 

  1. Stufe: Umgang mit den Umwelt
  2. Stufe: Umgang mit sich selbst
  3. Stufe: Umgang mit dem Körper
  4. Stufe: Umgang mit dem Atem
  5. Stufe: Umgang mit den Sinnen
  6. Stufe: Konzentration
  7. Stufe: Meditation
  8. Stufe: innere Freiheit 

Auch wenn wir jeden Tag den gleichen Ablauf haben, gleicht kein Tag den anderen. Jeden Tag lernen wir uns und neue Sachen kennen. Im Yogazentrum herrscht eine sehr herzliche Atmosphäre sowohl zwischen den Gästen als auch unter den Mitarbeitern. Wir dachten anfangs eigentlich, dass wir die einzigen Reisenden im Yoga Zentrum sein werden. Welche Weltreisenden haben denn schon 400€ oder mehr für einen solche Behandlung übrig? Davon können andere einen Monat in Nepal verreisen. Doch hier haben wir uns getäuscht. Wir lernen Vicky kennen. Sie kommt ursprünglich aus England und reist seitdem sie ihr Studium abgeschlossen (vor 20 Jahren) hat durch die Welt. „Sesshaft“ ist sie in den letzten 4 Jahren in Australien geworden. Maddi aus Holland ist seitdem sie 18 ist in der Welt unterwegs. Die längste Zeit, die sie in einem Land gelebt und gearbeitet hat, waren 3 Jahren. In dieser Zeit ist sie jedoch 8 mal ausgereist. Heute ist sie 53 Jahre alt und hat noch immer nicht alles von der Welt gesehen. Andere die wir kennenlernen, haben die letzten Monate Freiwilligenarbeit in Nepal geleistet und z.B. in Sozialen Einrichtungen oder Krankenhäusern gearbeitet. 

Nach 7 Tage ist unsere Zeit im Purna Yoga Zentrum abgelaufen. Wir verlassen das Zentrum mit einem lachenden und einen weinenden Auge. Wir haben mehr erlebt und mehr für unser Leben gelernt, als wir uns jemals hätten vorstellen können. Wir freuen uns auch über die neu geschlossenen Freundschaften, interessanten Gespräche mit den Yoga Lehrern und den anderen Gästen und freuen uns auf ein Wiedersehen.

Wir beenden diesen etwas lang geworden Blogbeitrag mit Manohars Worten. Zitat aus unserem Erinnerungsbuch: 

„Yoga is not to perform - Yoga is to believe.

Bring the Yoga in your life and make your life happy, healthy and peaceful forever.“ 

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